Was ich sonst noch verpasst habe

von Lucia Berlin

gelesen
„Sie hatte keine Ahnung, was ihr noch bevorstand …
In der tiefen, dunklen Nacht der Seele sind die Spirituosenläden und die Bars geschlossen. Sie griff unter die Matratze; die Viertelliterflasche Wodka war leer. Sie stieg aus dem Bett, richtete sich auf. Sie zitterte so stark, dass sie sich auf den Boden setzen musste. Sie hyperventilierte. Ohne einen Drink würde sie Delirium tremens oder einen Krampfanfall bekommen. …
Sie keuchte und war fast ohnmächtig, als sie zum Uptown-Laden in der Shattuck kam. Er hatte noch nicht geöffnet. Sieben Schwarze standen am Straßenrand, lauter alte Männer bis auf einen Jungen. Der Indianer saß drinnen im Laden am Fenster, ohne von ihnen Notiz zu nehmen, und trank Kaffee. Auf dem Gehweg teilten sich zwei Männer eine Flasche Nyquil-Hustensaft. Blauer Tod, den konnte man die ganze Nacht über kaufen.

eingeschätzt
Lucia Berlin nimmt sehr gekonnt Notiz – von Krankenschwestern, Putzfrauen, alkoholkranken Müttern – und zeigt die Schattenseite des amerikanischen Traums.

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Das Gegenteil von Einsamkeit

von Marina Keegan

gelesen
Was ich Dir sagen will: Schreib mir eine SMS.
Weil es eine Vorgeschichte gibt. Weil es einen Ernstfall gibt.
Weil es eine Schlafenszeit gibt.
Weil, wenn die Welt zu Ende geht, mein Telefon vielleicht nicht aufgeladen ist und
Wenn du nicht bald antwortest,
Weiß ich nicht, ob du der Schatten neben meinem sein willst.

verstanden
… die jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren. Zwischen McKinsey, Liebe und Tod.

eingeschätzt
Lesenswert und beklemmend vor dem Hintergrund, dass die Autorin mit 22 Jahren tödlich verunglückt ist.