Das Paradies der Damen

von Émile Zola

gelesen

„An den Schaufensterscheiben lief das Wasser herunter, man konnte drüben nur noch den Schnee der Spitzen erkennen, deren Weiß durch die matt geschliffenen Glocken einer am unteren Rand angebrachten Reihe von Gaslampen noch leuchtender wurde; und auf diesem Kapellenhintergrund hoben sich kräftig die Konfektionswaren, wirkte der großartige silberfuchsbesetzte Samtmantel wie die geschwungene Seitenansicht einer Frau ohne Kopf, die durch den Regenguss zu irgendeinem Fest in die unbekannte Finsternis von Paris eilte.”

eingeschätzt

Großartig, auch wenn die Liebesgeschichte hart an der Grenze zum Sozialkitsch ist.

www.dtv.de

Gräser der Nacht

von Patrick Modiano

gelesen
„Auch mich überfällt ein seltsames Empfinden bei dem Gedanken an diese Lampen, die wir vergessen haben auszuknipsen, und an diese Orte, wo wir nie wieder hingekommen sind … Es war nicht unsre Schuld. Jedesmal mussten wir schnell weg, und auf Zehenspitzen. Ich bin sicher, in dem Landhaus haben wir irgendwo ein Licht brennen lassen. Und wenn ich allein verantwortlich wäre für diese Unachtsamkeit oder dieses Vergessen? Heute bin ich überzeugt, dass es weder Vergessen war noch Unachtsamkeit, sondern dass ich im Moment des Aufbruchs immer absichtlich eine Lampe anknipste. Vielleicht aus Aberglaube, um Unglück abzuwenden, und vor allem, damit eine Spur zurückblieb von uns, ein Zeichen, das besagen sollte, wir seien nicht wirklich fort und wir kämen irgendwann wieder.”

eingeschätzt
Licht und Schatten, Glück und Trauer, Traum und Wirklichkeit, Erinnern und Vergessen – das alles passt auf diese knapp zweihundert Seiten und selten ist Melancholie schöner.

www.hanser-literaturverlage.de