Außer sich

von Sasha Marianna Salzmann

gelesen
„Ich kenne viele mit meiner Biografie, sie haben andere Kerben in ihrem Gesicht, tragen andere Kleidung, spielen Musikinstrumente, essen bei ihren Eltern am Sonntag Heringssalat, können danach die Nacht durchschlafen, fahren in den Süden, um Urlaub zu machen, und kehren am Ende des Sommers an Orte zurück, die sie Zuhause nennen. Für mich dagegen verschwimmen die Bilder, und ich lande immer wieder bei Vermutungen darüber, wie die Straßen hießen, in denen ich nie gewesen bin.

eingeschätzt
Auf jede Generation einen empathischen Blick gerichtet, auf jeder Seite ein einzigartiges Lesevergnügen, auf jeden Fall ein ausgezeichneter Debütroman.

www.suhrkamp.de

 

Ehre

von Elif Shafak

gelesen 

„Meine Mutter starb zwei Mal. Ich habe mir geschworen, ihre Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, habe aber nie die Zeit oder den Willen oder den Mut aufgebracht, sie niederzuschreiben. Bis vor Kurzem. Ich glaube nicht, dass jemals eine echte Schriftstellerin aus mir wird, aber das ist in Ordnung. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich meine Grenzen und Fehler besser akzeptieren kann. Aber ich musste die Geschichte erzählen, und sei es nur einem einzigen Menschen. Ich musste sie in die Welt hinausschicken, damit sie losgelöst von uns frei davonschweben konnte. Diese Freiheit war ich Mum schuldig. Und ich musste noch dieses Jahr fertig werden, noch vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis.”

eingeschätzt

Fesselnde Chronik eines Ehrenmordes – die Anflüge von Kitsch sind zu verzeihen

www.keinundaber.ch

 

 

 

Sula

von Toni Morrison

gelesen
„Es war ein guter Schrei – lang und laut -, aber er hatte kein Unten, und er hatte kein Oben, nur Kreise über Kreise von Kummer.“

„It was a fine cry – loud and long – but it had no bottom and it had no top, just circles and circles of sorrow.“

verstanden
Eine Mädchenfreundschaft in einer Kleinstadt in Ohio eröffnet die Dimension, die Toni Morrison selbst einmal so beschrieben hat: „Es ist die Aufgabe – besser: die Dimension – der Kunst, Selbsterfahrenes, Selbsterlittenes aufzuheben in einem neuen Ganzen, nicht lediglich zu belehren, was recht und unrecht ist. Das geheimnisvolle daran ist, daß nur die Kunst auch politisch wirkt, die das schafft – die obenhin gar nicht politisch zu sein scheint.“

eingeschätzt
mit diesem frühen Roman anfangen und alles von ihr lesen