Warum die Sache schiefgeht

von Karen Duve

gelesen
„Man muss keine antisoziale Persönlichkeitsstörung haben, um Manager (oder Politiker) zu werden, aber es hat gewisse Vorteile. Für Top-Positionen kommen nämlich nur Bewerber in Frage, die einen 16-stündigen Arbeitstag in Kauf nehmen. (…) Die Trennung vom sozialen Umfeld sichert die Kontrolle über die Wertvorstellungen und das Selbstbild der Sektenmitglieder bzw. Politiker bzw. Führungseliten. (…) Wer erst einmal zum Inner Circle gehört, dem erscheinen die Meinungen und Einwände Uneingeweihter unendlich nebensächlich. Von solchen Führungskräften muss man nicht befürchten, dass sie bei ökologisch heiklen, aber ökonomisch vielversprechenden Projekten Solidarität mit den von ihrem Projekt betroffenen Menschen empfinden. Warum sollte jemand, der sich der Macht und des Geldes wegen von der Gesellschaft getrennt hat und in völlig anderen Sphären über ihr schwebt, sich großartig für das Wohl dieser Gesellschaft interessieren oder sich ihren Werten und Gesetzen verpflichtet fühlen?“

verstanden
Es gibt nicht wirklich viel Neues zu verstehen in diesem Essay – die Herren Mehdorn, Edathy, Middelhoff, Hoeneß und wie sie alle heißen, lassen es einen leider jeden Tag wissen.

eingeschätzt
Die Argumentation ist nicht immer stringent und oft schwarz/weiß, dafür aber angemessen wütend. Wem die Weihnachtsstimmung überhand nimmt, der ist hier gut aufgehoben.

Tiere essen

von Jonathan Safran Foer

gelesen
„‚Am schlimmsten war es gegen Kriegsende. Viele Menschen starben noch am Ende, und ich wusste nicht, ob ich noch einen Tag überleben konnte. Ein Bauer, ein Russe, Gott schütze ihn, sah, wie es um mich bestellt war, ging in sein Haus und kam mit einem Stück Fleisch für mich zurück.‘
‚Er hat dir das Leben gerettet.‘ ‚Ich habe es nicht gegessen.‘ ‚Du hast es nicht gegessen?‘ ‚Es war Schwein. Ich würde nie Schwein essen.‘ ‚Warum nicht?‘ ‚Was meinst du wohl, warum nicht?‘ ‚Doch nicht, weil es nicht koscher war?‘ ‚Natürlich.‘ ‚Auch nicht, um dein Leben zu retten?‘ ‚Wenn nichts mehr wichtig ist, gibt es nichts zu retten.‘ (…)

Ob ich am globalen Tisch sitze, mit meiner Familie esse oder mit meinem Gewissen allein bin, für mich ist Massentierhaltung nicht nur untragbar, sie zu akzeptieren erscheint mir unmenschlich. Würde ich Massentierhaltung akzeptieren – und meine Familie mit den von ihr produzierten Lebensmitteln ernähren, sie mit meinem Geld unterstützen -, dann wäre ich weniger ich selbst, weniger der Enkel meiner Großmutter, weniger der Vater meines Sohnes. Genau das meinte meine Großmutter, als sie sagte: ‚Wenn nichts mehr wichtig ist, gibt es nichts zu retten.'“

verstanden
Schlicht: Keine Tiere essen.

eingeschätzt
Wir leben von Geschichten und indem Foer Geschichten vom Tiere essen und Tiere quälen „erzählt“, zeigt er, dass wir handeln müssen.