Alles, was wir geben mussten

von Kazuo Ishiguro

gelesen
„Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende – dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit – haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht. ”

eingeschätzt
Science Fiction, die in leisen Tönen daher kommt und unter die Haut geht – unbedingte Leseempfehlung.

verwandt
Ich, der Roboter von Isaac Asimov

www.randomhouse.de

 

 

 

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Gräser der Nacht

von Patrick Modiano

gelesen
„Auch mich überfällt ein seltsames Empfinden bei dem Gedanken an diese Lampen, die wir vergessen haben auszuknipsen, und an diese Orte, wo wir nie wieder hingekommen sind … Es war nicht unsre Schuld. Jedesmal mussten wir schnell weg, und auf Zehenspitzen. Ich bin sicher, in dem Landhaus haben wir irgendwo ein Licht brennen lassen. Und wenn ich allein verantwortlich wäre für diese Unachtsamkeit oder dieses Vergessen? Heute bin ich überzeugt, dass es weder Vergessen war noch Unachtsamkeit, sondern dass ich im Moment des Aufbruchs immer absichtlich eine Lampe anknipste. Vielleicht aus Aberglaube, um Unglück abzuwenden, und vor allem, damit eine Spur zurückblieb von uns, ein Zeichen, das besagen sollte, wir seien nicht wirklich fort und wir kämen irgendwann wieder.”

eingeschätzt
Licht und Schatten, Glück und Trauer, Traum und Wirklichkeit, Erinnern und Vergessen – das alles passt auf diese knapp zweihundert Seiten und selten ist Melancholie schöner.

www.hanser-literaturverlage.de

Im Café der verlorenen Jugend

von Patrick Modiano

gelesen
„Für mich ist der Herbst nie eine traurige Jahreszeit gewesen. Das welke Laub und die kürzer werdenden Tage haben mir nie das Ende von irgendwas bedeutet, vielmehr ein Warten auf die Zukunft. Die Luft ist elektrisch aufgeladen in Paris, an Oktoberabenden, wenn die Nacht herabsinkt. Sogar bei Regenwetter. Ich bin nie trübselig um diese Stunde, leide auch nicht unter der flüchtigen Zeit. Ich habe ein Gefühl, als sei alles möglich. Das Jahr beginnt im Oktober. Dann ist Schulanfang, und ich glaube, auch der richtige Moment zum Pläneschmieden.“

verstanden
Vier unterschiedliche Stimmen beschreiben eine junge Frau – und am Ende kennt sie doch niemand.

eingeschätzt
Melancholie in Paris, zu der man in Stimmung sein muss