Das Herz aller Dinge

von Graham Greene

gelesen
„Auch wenn er gewußt hätte, was daraus entstehen sollte, hätte er dieses Versprechen gegeben. Seit jeher war er bereit gewesen, die Verantwortung für sein Handeln zu tragen; und seit er das schreckliche, heimliche Gelübde abgelegt hatte, für ihr Glück zu sorgen, war ihm immer so halb und halb bewußt gewesen, wie weit dieser Vorsatz ihn vielleicht treiben würde. Verzweiflung ist der Preis dafür, daß man sich ein unerreichbares Ziel gesteckt hat. Es ist, so sagt man, die unverzeihliche Sünde, aber eine Sünde, die der unredliche, der verworfene Mensch nie begeht. Er erreicht nie den Gefrierpunkt, wo man begreift, daß man versagt hat. Nur der Mensch, der guten Willens ist, trägt im Herzen stets die Fähigkeit, sich selbst zu verdammen.“

verstanden
Ein Mann zwischen zwei fragwürdigen Frauen, zwischen Unaufrichtigkeit und katholischem Glauben: Das Leben und Sterben des Major Scobie bildet einen starken Kontrast zur Unverbindlichkeit heutigen Handelns.

eingeschätzt
Sehr lesenswerter Klassiker – dazu Gin Tonic trinken

Die Mitte der Welt

von Andreas Steinhöfel

gelesen
„Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigene Art heilt sie auch deine Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren. Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer.“

verstanden
Vom Anders-Sein, von Familienwunden, von der Liebe und vor allen Dingen vom Weitermachen erzählt Andreas Steinhöfel in diesem „ungewöhnlichen Wurf“ (Die Zeit).

eingeschätzt
tolles Buch – bringt garantiert junge Reclam-Heft-Hasser und Nicht-Leser zum Lesen

Americanah

von Chimamanda Ngozi Adichie

gelesen
„‚Nimm die Pflanze mit‘, sagte er, als sie ihre Kleider in seiner Wohnung packte und ihn zum letzten Mal sah. Er war niedergeschlagen und stand mit hängenden Schultern in der Küche. Es war die einzige Pflanze in seiner Wohnung, vielversprechende grüne Blätter trieben aus drei Bambusstängeln, und als sie sie an sich nahm, überkam sie plötzlich ein Gefühl niederschmetternder Einsamkeit, das sie wochenlang nicht wieder loswurde. Manchmal spürte sie es immer noch. Wie war es möglich, dass man etwas vermisste, was man gar nicht mehr wollte? Blaine brauchte, was sie ihm nicht geben konnte, und sie brauchte, was er ihr nicht geben konnte, und darum trauerte sie um den Verlust dessen, was hätte sein können.“

verstanden
eine Geschichte und eine Liebe zwischen den Welten, zwischen Nigeria und den USA, ein moderner Frauenroman – der zitierte Absatz seht auf Seite 15 von 600 Seiten und man liest langsam, auf dass man nicht zu Seite 600 komme…

eingeschätzt
kaufen, Termine absagen, Telefon abstellen – ‚Blauer Hibiskus‘ für die Zeit danach