Die Jahre

Dieses Buch von Annie Ernaux solltet Ihr lesen, wenn

  • Ihr eine Zeitreise ins Frankreich der Nachkriegszeit machen möchtet.
  • Ihr eine bedeutende französische Autorin kennenlernen möchtet.
  • Ihr Sätze wie „Die Zeit der Kinder löste die Zeit der Toten ab.“ schätzt.

www.suhrkamp.de

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Fräulein Nettes kurzer Sommer

von Karen Duve

Am Anfang
„Annette von Droste-Hülshoff war eine Nervensäge. Schon ihre Geburt hatte den Eltern Kummer bereitet. An einem klirrend kalten Januarmorgen des Jahres 1797 war ihre schwangere Mutter, Therese von Droste-Hülshoff – eine Autorität in Anstandsfragen, die normalerweise jedes auffällige Benehmen, dieses bürgerliche Verhalten, wie den Tod scheute –, auf die fixe Idee gekommen, ganz allein auf dem zugefrorenen Burggraben einmal rund um das Hülshoff’sche Wasserschloss zu schliddern, und prompt gestürzt. Mit hochrotem Kopf nach allen Seiten äugend, ob jemand das peinliche Missgeschick beobachtet haben könnte, rappelte sie sich wieder auf, klopfte sich den Schnee vom Rock und verfügte sich beschämt in ihre Gemächer. Kurz darauf setzten die Wehen ein, zwei Monate zu früh, und Therese gebar ein winziges, kümmerliches Geschöpf mit noch winzigeren Händchen, die Finger wie Spatzenkrallen und die Nägel daran kaum wahrnehmbare Häutchen. Man hatte auf einen Sohn gehofft. Eine Tochter – Jenny – gab es ja bereits, wozu also noch eine?”

Am Ende
Man bleibt zurück mit dem Gefühl, den komischsten und erhellendsten historischen Roman überhaupt gelesen zu haben. Eine furiose neue Geschichtsschreibung aus der Perspektive einer Frau.

www.kiwi-verlag.de/

Ehre

von Elif Shafak

gelesen 

„Meine Mutter starb zwei Mal. Ich habe mir geschworen, ihre Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, habe aber nie die Zeit oder den Willen oder den Mut aufgebracht, sie niederzuschreiben. Bis vor Kurzem. Ich glaube nicht, dass jemals eine echte Schriftstellerin aus mir wird, aber das ist in Ordnung. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich meine Grenzen und Fehler besser akzeptieren kann. Aber ich musste die Geschichte erzählen, und sei es nur einem einzigen Menschen. Ich musste sie in die Welt hinausschicken, damit sie losgelöst von uns frei davonschweben konnte. Diese Freiheit war ich Mum schuldig. Und ich musste noch dieses Jahr fertig werden, noch vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis.”

eingeschätzt

Fesselnde Chronik eines Ehrenmordes – die Anflüge von Kitsch sind zu verzeihen

www.keinundaber.ch

 

 

 

Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike

von Anja Röhl

gelesen
„Das Mädchen liest jetzt auch, was Ulrike in der Zeitung schreibt. Sie versteht nicht alles, aber dass sie für die Menschen und deren Freiheit eintritt, für Gerechtigkeit und gegen Waffen, Gewalt und Krieg, das versteht sie. Sie findet gut, was Ulrike schreibt, weil sie niemandem die Schuld gibt, sondern die Dinge erklärt. Durch Erklären kann man lernen. Wenn man lernt, kann man es besser machen.
Ulrike fragt das Mädchen, immer, wie es ihr geht, was die Schule macht, ob sie nette oder blöde Lehrer hat. Niemand sonst von den Erwachsenen fragt solche Sachen. Sie hört zu, wenn das Mädchen erzählt, hört sich ihre Meinung an. Immer während der Autofahrten. Durch die ganze Stadt müssen sie fahren von Lurup nach Barmbek, und wenn sie ankommen, fühlt sich das Mädchen, als sei sie gewachsen. Mit Ulrike zu sprechen, macht das Mädchen stärker.“

verstanden
Angst, Schuld, Strafe, Gewalt – das sind die Kindheits- und Jugendthemen Anja Röhls und vieler anderer in der frühen und engen Bundesrepublik Deutschland. Nur bekommt Anja Röhl eine Perspektive durch Ulrike, Ulrike Meinhof.

eingeschätzt
So leise sind dunkle Erinnerungen selten zu lesen.