Cold Spring Harbor

von Richard Yates

gelesen
„Von Anfang an war in diesem künstlichen Haushalt das Abendessen das beklemmendste Ereignis des Tages. Bevor sie sich setzten, stellte Rachel stets einen kleinen elektrischen Ventilator auf den Tisch, da es für Juni ungewöhnlich heiß und windstill war, doch die vergitterten, surrenden, sich langsam drehenden Flügel bliesen nur schwache neue Wärmewellen zwischen das Geschirr.
»Ach, ist das nicht schön«, sagte Gloria oft am Beginn des Essens, und wenn Phil sie zufällig anblickte, konnte er jedes Mal sehen, wie sehr sie sich davor fürchtete, dass an diesem Abend wieder mal nur ihre eigene Stimme am Tisch zu hören sein würde. Zweimal in der ersten Woche verschlimmerte sie noch das allgemeine Unbehagen, indem sie mit wehleidiger Stimme sagte: »Tja; ich dachte immer, beim Abendessen unterhält man sich.« Und nicht einmal ihr Sohn brachte es fertig, sie danach anzusehen.”

eingeschätzt
Der Roman ist so schön wie ein Gemälde von Edward Hopper: Im ‚Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘ stehen sich die Verlierer der Gesellschaft sprachlos gegenüber.

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Zwei Herren am Strand

von Michael Köhlmeier

gelesen
„Sie saßen in einer Loge hinten im Speisesaal, ihr Tisch konnte nur in unhöflicher Weise eingesehen werden. Es war wenig wahrscheinlich, dass die anderen Gäste verstanden, was Churchill, sich in Fistelstimme redend, über seinen Plan einer ‚zukünftigen Allianz gegen den schwarzen Hund’ vortrug; aber dass sie die Aufmerksamkeit aller auf sich zogen, konnte Chaplin hören, weil er in den wenigen Pausen, die sein Gegenüber ließ, nämlich nichts hörte, wo normalerweise Stimmen, Gelächter, Besteckgeklapper waren. Dass inzwischen jeder im Saal wusste, wer dort hinten feierte, dafür war längst gesorgt, da war er sich gewiss. Hollywoods Kellner und Kellnerinnen bestritten ihren Lebensunterhalt nicht nur, indem sie Cocktails und Braten reichten, sondern auch indem sie Gerüchte weitergaben.″

eingeschätzt
Ein sehr lesenswerter Roman über zwei ungleiche Herren, die den Kampf gegen die Depression gemeinsam aufnehmen und am Ende doch alleine führen müssen.