Die Spur des Teufels

von John Burnside

Am Anfang
„In Coldhaven, einem kleinen Fischernest an der Ostküste Schottlands, wachten die Menschen vor langer Zeit an einem düsteren Morgen Mitte Dezember auf und sahen nicht nur, dass ihre Häuser tief und traumverloren unter eine so dicken Decke Schnee begraben lagen, wie sie nur ein- oder zweimal in jeder Generation ausgebreitet wird, sondern dass darüber hinaus, während sie geschlafen hatten, etwas Seltsames geschehen war, etwas, was sie sich nur mit Geschichten und Gerüchten zu erklären wussten, die sie allerdings, da sie ein braves und gottesfürchtiges Volk waren, höchst ungern weitererzählten, Geschichten, in denen der Teufel vorkam oder ein Gespenst, Geschichten, die widerstrebend eine verborgene Macht in der Welt anerkannten, deren Vorhandensein sie die meiste Zeit lieber ignorierten. ”

Am Ende
… ist man fasziniert dem Teufel gefolgt und bleibt irritiert, aber auch beglückt zurück.


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Fräulein Nettes kurzer Sommer

von Karen Duve

Am Anfang
„Annette von Droste-Hülshoff war eine Nervensäge. Schon ihre Geburt hatte den Eltern Kummer bereitet. An einem klirrend kalten Januarmorgen des Jahres 1797 war ihre schwangere Mutter, Therese von Droste-Hülshoff – eine Autorität in Anstandsfragen, die normalerweise jedes auffällige Benehmen, dieses bürgerliche Verhalten, wie den Tod scheute –, auf die fixe Idee gekommen, ganz allein auf dem zugefrorenen Burggraben einmal rund um das Hülshoff’sche Wasserschloss zu schliddern, und prompt gestürzt. Mit hochrotem Kopf nach allen Seiten äugend, ob jemand das peinliche Missgeschick beobachtet haben könnte, rappelte sie sich wieder auf, klopfte sich den Schnee vom Rock und verfügte sich beschämt in ihre Gemächer. Kurz darauf setzten die Wehen ein, zwei Monate zu früh, und Therese gebar ein winziges, kümmerliches Geschöpf mit noch winzigeren Händchen, die Finger wie Spatzenkrallen und die Nägel daran kaum wahrnehmbare Häutchen. Man hatte auf einen Sohn gehofft. Eine Tochter – Jenny – gab es ja bereits, wozu also noch eine?”

Am Ende
Man bleibt zurück mit dem Gefühl, den komischsten und erhellendsten historischen Roman überhaupt gelesen zu haben. Eine furiose neue Geschichtsschreibung aus der Perspektive einer Frau.

www.kiwi-verlag.de/

The Art of Possibility

von Benjamin Zander & Rosamund Stone Zander

Am Anfang
„A shoe factory sends two marketing scouts to a region of Africa to study the prospects of expanding business. One sends back a telegram saying,

Situation hopeless STOP No one wears shoes

The other writes back triumphantly,

Glorious business opportunity STOP They have no shoes

To the marketing expert who sees no shoes, all the evidence points to hopelessness. To his colleague, the same conditions point to abundance and possibility. Each scout comes to the scene with his own perspective; each returns telling a different tale. Indeed, all of life comes to us in narrative form; it´s a story we tell.“

Am Ende
Kein Lifestyle-Ratgeber, sondern ein Buch des Dirigenten Benjamin Zander und der Psychotherapeutin Rosamund Stone Zander, das einen nicht nur lehrt, leidenschaftlich zu kommunizieren, sondern auch, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen (Rule No. 6) und mehr klassische Musik zu hören.

www.penguin.co.uk

Außer sich

von Sasha Marianna Salzmann

gelesen
„Ich kenne viele mit meiner Biografie, sie haben andere Kerben in ihrem Gesicht, tragen andere Kleidung, spielen Musikinstrumente, essen bei ihren Eltern am Sonntag Heringssalat, können danach die Nacht durchschlafen, fahren in den Süden, um Urlaub zu machen, und kehren am Ende des Sommers an Orte zurück, die sie Zuhause nennen. Für mich dagegen verschwimmen die Bilder, und ich lande immer wieder bei Vermutungen darüber, wie die Straßen hießen, in denen ich nie gewesen bin.

eingeschätzt
Auf jede Generation einen empathischen Blick gerichtet, auf jeder Seite ein einzigartiges Lesevergnügen, auf jeden Fall ein ausgezeichneter Debütroman.

www.suhrkamp.de