Der leuchtend blaue Faden

von Ann Tyler

gelesen
„Was man am Neujahrstag macht, so heißt es, das macht man das ganze Jahr, und tatsächlich gab Abbys Verschwinden das Thema für 2012 vor. Sie begann, sich irgendwie zu entfernen, selbst wenn sie anwesend war. Bei vielen Gesprächen, die um sie herum stattfanden, schien sie teilweise zu fehlen. Amanda sagte, sie verhalte sich wie eine Frau, die sich verliebt hat. Aber ganz abgesehen von der Tatsache, dass Abby immer und ewig nur Red geliebt hatte – zumindest soweit sie wussten –, vermittelte sie nicht den Eindruck, als ob sie trunken vor Glück wäre, wie man das von Frischverliebten kennt. Sie schien vielmehr unglücklich zu sein, was überhaupt nicht zu ihr passte. Sie trug eine gereizte Miene zur Schau, und ihr Haar – inzwischen grau und auf Kinnhöhe gekürzt, so dicht und buschig wie die Perücke einer alten Porzellanpuppe – wirkte glanzlos und strapaziert, als hätte sie gerade etwas Schlimmes hinter sich.”

eingeschätzt
Über die kleinen und großen Geheimnisse in der Familie und das Geheimnis einer langen Ehe – herrlich!

verwandt
Die Korrekturen und Freiheit von Jonathan Franzen

www.keinundaber.ch

Advertisements

Wir Ertrunkenen

von Carsten Jensen

gelesen
„Laurids Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen.
Er war nicht bis hoch zum Masttopp geflogen, eher so auf die Höhe der Großrahe eines Vollschiffs. Er hatte am Tor zum Paradies gestanden und den heiligen Petrus gesehen, doch es war nur der Arsch, den der Hüter der Pforte zum Jenseits ihm gezeigt hatte.
Laurids Madsen hätte tot sein sollen. Aber der Tod hatte ihn nicht gewollt, und so wurde er ein anderer.

eingeschätzt
Der Roman beginnt am Gründonnerstag des Jahres 1849 und endet mit der deutschen Kapitulation 1945 – dazwischen gibt es Seemannsgarn vom Allerfeinsten!

verwandt
Wassermusik von T.C. Boyle Die 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär von Walter Moers Morenga von Uwe Timm

www.randomhouse.de

SHORTCUTS IV

Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen von Till Reiners
Ein kluger Kopf mischt sich unter die, mit denen niemand mehr reden möchte und fragt „Warum haben so viele Menschen Angst vor Überfremdung? Und wieso habe ich keine?“ – hochinteressant.
www.rororo.de

Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger
Der Vater wird dement und der Sohn begleitet ihn schreibend. Es bleibt ein ungutes Gefühl, wie der Sohn den Vater zu seinem Stoff macht und wirre Aussagen des Vaters überhöht werden. Dennoch eine Leseempfehlung.
www.hanser-literaturverlage.de

Machandel von Regine Scheer
Deutschland von 1930 bis 1990 – das ist ein großer Wurf und ein toller Roman. In einem kleinen Dorf lebt die Geschichte auf, die Geschichte von Nazis, Flüchtlingen, SED-Funktionären, aber auch Liebenden.
www.randomhouse.de

Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern
Keine Literatur, aber man kann sich schlechter unterhalten. Vielleicht ist es doch Magie?
www.ullstein-buchverlage.de