Alles, was wir geben mussten

von Kazuo Ishiguro

gelesen
„Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende – dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit – haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht. ”

eingeschätzt
Science Fiction, die in leisen Tönen daher kommt und unter die Haut geht – unbedingte Leseempfehlung.

verwandt
Ich, der Roboter von Isaac Asimov

www.randomhouse.de

 

 

 

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Für immer ist ganz schön lange

von Lynne Sharon Schwartz

gelesen
„Zu Hause bestand kein Grund, über Trennung, Scheidung oder eine Auflösung der Familie zu sprechen. Sie waren getrennt genug. Wenn sich ihre Arbeitszeiten überschnitten, hinterließen sie einander eine Nachricht, informativ wie Notizen von Geschäftspartnern, oft witzig und stilisiert, an manchen Tagen sogar liebevoll. Als sie eines Abends spät nach Hause kam und ihn friedlich schlafend auf seiner Seite des Bettes antraf, auf ihrem Kopfkissen ein Zettel – ihn bitte um sieben zu wecken –, dachte Caroline: Er hat bestimmt eine andere.“

eingeschätzt
Im Original heißt dieser außerordentliche Roman über die Ehe Rough Strife … unbedingt lesen!

verwandt
Mann und Frau von Zeruya Shalev

www.keinundaber.ch

Ein grundzufriedener Mann

von Richard Russo

gelesen

„Der freie Wille – viel diskutiert in der Philosophiestunde und eins der ersten Dinge, die verschwunden waren. Der Lehrer, der Sully so unglaublich jung erschienen war, hatte ihn mit der Behauptung überrascht, dass so etwas wie eine Wahl nicht existiere, der freie Wille des Menschen pure Illusion sei. (…) er wünschte sich, den Lehrer jetzt hier zu haben, damit er ihm erklären konnte, warum es hier keine Wahl geben sollte. Vielleicht würde er es schaffen, indem er die Existenz des Pick-ups widerlegte. Für Sully hingegen sah es ganz nach einer Wahl aus. Und zwar nach seiner verdammten Wahl.

Er kletterte ins Führerhaus, ließ den Wagen an, legte den Gang ein, löste die Bremse, holte tief Luft und trat aufs Gas. Er hätte ja aufhören können, als er hörte und spürte, wie die Räder im Schlamm durchdrehten, aber er machte stur weiter – ließ den Motor aufheulen und drückte das Gaspedal durch. Plötzlich war seine monatelang unterdrückte Wut hervorgekommen, das hohe, anhaltende Kreischen des Motors schien fast sein eigener Schrei zu sein, und die Hinterräder des Wagens ließen den Schlamm bis zu Carl Roebucks halbfertigen Haus spritzen. Dann begann der Pick-up so heftig zu zittern, dass Sully kaum das Lenkrad halten konnte, schließlich gab der Motor zwei heftige Schluchzer von sich, erschauerte noch einmal und erstarb. Auch gut.“

eingeschätzt

Sully ist ein ganz Großer, der es immer wissen will, jeden Kampf auf sich nimmt und den Leser in eine Zeit entführt, in der Selbstoptimierung noch ein Fremdwort war.

www.dumont-buchverlag.de