Raumpatrouille

von Matthias Brandt

gelesen
„Nach dem Spiel hatten mich Holger und dessen Vater mitgenommen. Seit Wochen hatte ich mich darauf gefreut, dort zu übernachten. (…) Alles und jeder schien seinen festen Ablauf und Platz zu haben und wie bei der Märklinbahn in überlegt vorgegebenen Spuren zu laufen, ohne jegliche Gefahr der Abweichung oder des Zusammenstoßes. Es hatte auf mich den Eindruck gemacht, als würde hier eine Handlung, nachdem sie erprobt und für gut befunden worden war, von da an auf immer die gleiche Weise ausgeführt. Fragen, die sich mir täglich stellten und deren Beantwortung einen Großteil meiner Zeit beanspruchte, schien es hier gar nicht zu geben.
Auf ein für mich unsichtbares Zeichen hin, vielleicht zur immer gleichen Uhrzeit, waren zum Beispiel alle Mitglieder der Familie in ihren Zimmern verschwunden, um sich einige Minuten später in verschiedenen Varianten von Freizeitkleidung zum Fernsehschauen im Wohnzimmer einzufinden.”

eingeschätzt
Wunderbare, bescheiden erzählte Geschichten und eine Zeitreise zu Abenden mit Petersilienröschen und Fürst-Pückler-Eis

www.kiwi-verlag.de


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Alles, was wir geben mussten

von Kazuo Ishiguro

gelesen
„Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende – dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit – haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht. ”

eingeschätzt
Science Fiction, die in leisen Tönen daher kommt und unter die Haut geht – unbedingte Leseempfehlung.

verwandt
Ich, der Roboter von Isaac Asimov

www.randomhouse.de

 

 

 

Für immer ist ganz schön lange

von Lynne Sharon Schwartz

gelesen
„Zu Hause bestand kein Grund, über Trennung, Scheidung oder eine Auflösung der Familie zu sprechen. Sie waren getrennt genug. Wenn sich ihre Arbeitszeiten überschnitten, hinterließen sie einander eine Nachricht, informativ wie Notizen von Geschäftspartnern, oft witzig und stilisiert, an manchen Tagen sogar liebevoll. Als sie eines Abends spät nach Hause kam und ihn friedlich schlafend auf seiner Seite des Bettes antraf, auf ihrem Kopfkissen ein Zettel – ihn bitte um sieben zu wecken –, dachte Caroline: Er hat bestimmt eine andere.“

eingeschätzt
Im Original heißt dieser außerordentliche Roman über die Ehe Rough Strife … unbedingt lesen!

verwandt
Mann und Frau von Zeruya Shalev

www.keinundaber.ch