Außer sich

von Sasha Marianna Salzmann

gelesen
„Ich kenne viele mit meiner Biografie, sie haben andere Kerben in ihrem Gesicht, tragen andere Kleidung, spielen Musikinstrumente, essen bei ihren Eltern am Sonntag Heringssalat, können danach die Nacht durchschlafen, fahren in den Süden, um Urlaub zu machen, und kehren am Ende des Sommers an Orte zurück, die sie Zuhause nennen. Für mich dagegen verschwimmen die Bilder, und ich lande immer wieder bei Vermutungen darüber, wie die Straßen hießen, in denen ich nie gewesen bin.

eingeschätzt
Auf jede Generation einen empathischen Blick gerichtet, auf jeder Seite ein einzigartiges Lesevergnügen, auf jeden Fall ein ausgezeichneter Debütroman.

www.suhrkamp.de

 

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Raumpatrouille

von Matthias Brandt

gelesen
„Nach dem Spiel hatten mich Holger und dessen Vater mitgenommen. Seit Wochen hatte ich mich darauf gefreut, dort zu übernachten. (…) Alles und jeder schien seinen festen Ablauf und Platz zu haben und wie bei der Märklinbahn in überlegt vorgegebenen Spuren zu laufen, ohne jegliche Gefahr der Abweichung oder des Zusammenstoßes. Es hatte auf mich den Eindruck gemacht, als würde hier eine Handlung, nachdem sie erprobt und für gut befunden worden war, von da an auf immer die gleiche Weise ausgeführt. Fragen, die sich mir täglich stellten und deren Beantwortung einen Großteil meiner Zeit beanspruchte, schien es hier gar nicht zu geben.
Auf ein für mich unsichtbares Zeichen hin, vielleicht zur immer gleichen Uhrzeit, waren zum Beispiel alle Mitglieder der Familie in ihren Zimmern verschwunden, um sich einige Minuten später in verschiedenen Varianten von Freizeitkleidung zum Fernsehschauen im Wohnzimmer einzufinden.”

eingeschätzt
Wunderbare, bescheiden erzählte Geschichten und eine Zeitreise zu Abenden mit Petersilienröschen und Fürst-Pückler-Eis

www.kiwi-verlag.de


Alles, was wir geben mussten

von Kazuo Ishiguro

gelesen
„Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende – dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit – haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht. ”

eingeschätzt
Science Fiction, die in leisen Tönen daher kommt und unter die Haut geht – unbedingte Leseempfehlung.

verwandt
Ich, der Roboter von Isaac Asimov

www.randomhouse.de