Unschuld

von Jonathan Franzen

gelesen
Ich habe das Wort Paradies immer gehasst. Ich dachte, es wäre bloß so ein blöder Wiedergeburtlerausdruck für tot. Aber jetzt muss ich das überdenken, ein bisschen zumindest. Der Vogel da zum Beispiel -‘
‚Unser Gabelschwanz-Königstyrann.‘
‚Der wirkt vollkommen zufrieden. Ich neige allmählich zu der Ansicht, dass das Paradies nicht ewige Zufriedenheit bedeutet. Es ist doch eher so, als hätte das Gefühl von Zufriedenheit etwas Ewiges an sich. Ein ewiges Leben, so was gibt es doch gar nicht, weil man nie schneller als die Zeit sein wird; wenn man aber zufrieden ist, kann man der Zeit entfliehen, weil die dann keine Rolle spielt. Leuchtet das ein?‘
‚Sehr sogar.‘
‚Also beneide ich die Tiere.‘“

eingeschätzt
„Wie Franzen die Natur, die überwältigende Schönheit dieses Tales mit der Leere des Internets kontrastiert, den alten, traditionellen Journalismus gegen das moralisch aufgeladene Whistleblowing von heute ausspielt, echte Liebe gegen virtuelle und die heillos in moralische Grundsatzkonflikte verwickelte alte Generation gegen die junge, freie, neue, das macht es Franzens Gegnern leicht, diesen Roman zu verspotten.“ (Spiegel, 36/2015). Nicht zu verspotten, aber zu bedauern ist er, denn ähnlich wie in der Der Circle von Dave Eggers fühlt man sich zuweilen wie in einem Dreigroschenroman.  

 


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