Bel-Ami

von Guy de Maupassant

gelesen
„Als die Kassiererin ihm auf sein Hundertsousstück herausgegeben hatte, verließ Georges Duroy das Restaurant. Da er von Charakters wegen und als ehemaliger Unteroffizier gern den Schneidigen spielte, drückte er die Brust heraus, zwirbelte den Schnurrbart mit einer soldatischen, ihm geläufigen Geste und warf auf die noch verweilenden Speisenden einen raschen Rundblick, einen jener Blicke, die eine Eigentümlichkeit hübscher Kerle sind und die wie die Schnabelhiebe eines Sperbers wirken.
Die Frauen hatten zu ihm hingeblickt, drei kleine Arbeiterinnen, eine Klavierlehrerin unbestimmten Alters, schlecht frisiert, vernachlässigt, mit stets staubigem Hut und stets verrutschtem Kleid, sowie zwei Ehefrauen aus dem Mittelstand mit ihren Männern, Stammgäste dieser Kneipe zu festen Preisen.
Auf dem Gehsteig blieb er einen Augenblick stehen und überlegte, was er jetzt anfangen sollte.“

verstanden
Georges Duroy, talentlos, macht sich und wird gemacht – zwischen Schein und Sein, Ohnmacht und Macht, beobachten und beobachtet werden ist das 19. Jahrhundert erstaunlich nah.

eingeschätzt
Maupassant meisterhaft: Von der ersten Seite an ist man gefangen und fragt sich, fällt er oder steigt er weiter auf, dieser Taugenichts?

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5 Comments

  1. Schöne Stelle! Kann aber leider nicht neun weitere Bände der “Menschlichen Komödie” überspringen, um gleich zu Maupassant zu kommen! Nimm‘ auch mal auf mich Rücksicht! Ansonsten: Dankschön!

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