Ein Geheimnis

von Philippe Grimbert

gelesen
„Alle meine Verwandten wußten von Simon, kannten ihn und liebten ihn. Alle erinnerten sich an seine Lebenskraft, seine starke Persönlichkeit. Und alle hatten ihn mir verschwiegen. Ohne es zu wollen, hatten auch sie ihn von der Liste sowohl der Toten als auch der Lebenden gestrichen, hatten aus Liebe die Tat seiner Mörder wiederholt. Man konnte seinen Namen auf keinem Stein lesen, er wurde von niemandem mehr ausgesprochen, ebensowenig wie der seiner Mutter Hannah. Simon und Hannah, die gleich zweimal ausgelöscht wurden: vom Haß ihrer Verfolger und von der Liebe ihrer Nächsten. Die von einer Leere geschluckt wurden, der ich mich niemals würde nähern können, ohne meinen Untergang zu riskieren. Ein strahlendes Schweigen, eine schwarze Sonne, die sich nicht damit begnügt hatte, sein Leben zu verschlingen, sondern die auch jede Spur unserer Abstammung getilgt hatte.“

verstanden
warum Anpassung und Schweigen Verlust und Schuld nicht bewältigen helfen – ein kleines Lehrstück über Konfrontation

eingeschätzt
ungewöhnliche Autobiographie, ungewöhnlicher Stil

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2 Kommentare zu „Ein Geheimnis“

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