Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten

von John Kennedy Toole

gelesen
„Er schob den Karren weiter die Straße entlang und rief wieder: „Heiße Würstchen!“
George […] vernahm den Lockruf und wandte sich an den monströsen Wurstverkäufer. „He – Sie! Geben Sie mir so ein Ding.“ Ignaz blickte streng auf den Knaben herab, der sich ihm in den Weg gestellt hatte […].
„Tut mir Leid“, schnaubte Ignaz. „Mit den paar Würstchen, die ich noch übrig habe, muß ich sparsam umgehen. Bitte lassen Sie mich vorbei.“
„Sparsam umgehen? Wer soll die kriegen?“
„Das geht dich doch nichts an, du Schnösel! Warum bist du nicht in der Schule? Sei nicht lästig: Abgesehen davon habe ich kein Geld zum Herausgeben.“
„Ich habe einen Vierteldollar“, höhnten die dünnen Lippen.
„Ich gebe sie nur paarweise ab. Verstanden?“
„Was haben Sie denn, Mann?“
„Was ich habe? Denk lieber darüber nach, wo´s bei dir fehlt! Woher kommt dir dieser widernatürliche Wunsch, am frühen Nachmittag eine Wurst zu essen? Mein Gewissen erlaubt mir nicht, dir eine zu verkaufen: Schau dir doch deinen Teint an! Du bist ein Junge, der noch wächst und für den Aufbau seines Körpers Gemüse braucht – und Orangensaft und Vollkornbrot und Spinat! Ich lasse mich nicht auf eine Verführung Minderjähriger ein!“
„Was soll das? Verkaufen Sie mir eines von Ihren Würstchen: Ich bin hungrig. Ich habe nichts zu Mittag gehabt.“
„Nein!“ brüllte Ignaz so wütend, daß die Passanten sich nach ihm umwandten. „Und jetzt verschwinde, bevor ich dich über den Haufen fahre!“

verstanden
Szenen aus Ignaz Berufsleben: das ist Scheitern und antikapitalistischer Heldenstreich, das ist Lachen und fassungsloses Staunen

eingeschätzt
ein Klassiker – immer wieder lesen: vor allen Dingen nach einer anstrengenden Arbeitswoche

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8 Kommentare zu „Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten“

  1. Interessantes erstes Schlagwort. Großartiges Buch, erstklassiger Tipp. Ich hoffe, eines Tages wird Google so verrückt spielen, dass bei einer Suche nach dem Schlagwort „Berufsleben“ als allerallererstes dieser Buchtipp erscheint. Das würde das Leben von Millionen verändern.

    1. Ja, vielen Dank, das gehört leider dazu. Walker Percy schreibt dazu in seinem Nachwort: „Es ist sehr traurig, daß John Kennedy Toole nicht mehr lebt und schreibt. Damit müssen wir uns abfinden: Mehr blieb nicht zu tun, als dafür zu sorgen, daß diese alle Rahmen sprengende Tragikomödie nun endlich den Lesern zugänglich wird.“

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